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Leben passiert uns nicht einfach so

  • Autorenbild: Jeannette Kriesel
    Jeannette Kriesel
  • vor 5 Tagen
  • 7 Min. Lesezeit
Steintreppe die nach oben führt

Foto: Pixaby Leben passiert uns nicht einfach so

 

"Leben passiert nicht gegen uns. Leben passiert für uns und durch uns." Jeannette Kriesel

Mir ist in den letzten Jahren immer wieder aufgefallen, dass wir dazu neigen, vieles, das uns widerfährt, als „Zufall“ abzutun. Mal läuft es, mal nicht. Mal haben wir Glück, mal Pech. Wir sprechen ziemlich oft von „Zufall“, weil es entlastet. Es erklärt nichts, aber es beruhigt irgendwie.


Will man dem auf den Grund gehen, funktioniert diese Strategie aber nicht mehr.

Dann erkennt man vielleicht, dass das Leben kein loses Sammelsurium aus Ereignissen ist. Denn alles wirkt miteinander. Vielleicht wie ein System aus Zahnrädern, in dem kein Zahnrad für sich alleinsteht. Oder vielleicht wie ein Organismus, der sich irgendwie selbst organisiert, reguliert und ständig verändert, aber auch Anteile von sich zerstört, um sich weiterzuentwickeln, wenn nötig.

Wir können es nennen, wie wir wollen. Es macht keinen Unterschied. Wichtig ist nur: Alles, was existiert, ist Teil eines Systems. Nichts steht außerhalb davon. Kein Mensch, kein Ereignis, kein Problem. Garnichts.


Damit wärst du dann auch kein Zufallsprodukt, sondern ein notwendiger Teil dieses Systems.

 

Unser Leben ist kein Zufall

Der Punkt, an dem das Leben reagiert ist, wenn wir uns von unserer Richtung entfernen. Nicht sofort und auf dramatische Weise, sondern eher schleichend.


Erst leise: Unzufriedenheit, innere Unruhe, Zweifel und einem Gefühl, dass etwas nicht mehr passt.

Dann deutlicher: Konflikte, Verluste, Blockaden, Probleme eben. Das Leben wird plötzlich lauter.

Und wenn das alles nicht gehört wird, kommt es auf irgendeiner Weise auf der körperlichen Ebene an. Dann ist Krankheit in diesem Verständnis kein Zufall, sondern möglicherweise ein Hinweis darauf, dass wir uns festgefahren haben.


Das Leben initiiert dann wohlmöglich eine Korrektur und sagt uns „Du bist nicht mehr auf deinem Weg.“

 

Warum Probleme entstehen und manchmal bleiben

Ich glaube eines der größten Missverständnisse ist die Idee, dass ein gutes Leben ein problemloses Leben sein müsste. Wir denken, Probleme sollten nicht da sein und dass Entwicklung bedeutet, irgendwann an einem Punkt anzukommen, an dem endlich mal Ruhe ist.


Aber im Leben sind Probleme notwendig. Sie sind ein Mechanismus. Sie sind dafür da, uns in Bewegung zu bringen, uns zu konfrontieren, uns wachsen zu lassen. Ereignisse sind Räume, in denen wir etwas lernen können und sollen. Und solange wir das nicht tun, bleiben wir darin.

Das würde erklären, warum sich Dinge ständig wiederholen. Warum sich Muster durch unsere Leben ziehen, selbst wenn sich das Setting verändert.


Das sind Ereignisse, die uns zwingen, etwas zu entwickeln. Wir kommen in Situationen, die wir bereits kennen. Immer wieder. Mit anderen Menschen, aber gleichen Mustern, nämlich als Themen, die wir noch nicht integriert haben, sondern immer und immer wieder ausschließen oder vermeiden.


Und erst, wenn wir etwas verstanden haben, nicht im Kopf, sondern in unserem Handeln, verändert sich der Verlauf.

 

Unser Bewusstsein: hilfreich und begrenzt

Ein entscheidender Teil in unserem Leben ist unser Bewusstsein. Und gleichzeitig ist es genau das, was uns oft daran hindert, „alles“ zu sehen. Unser Bewusstsein ist nicht dafür gemacht, die ganze Wahrheit zu erfassen.


Unser Bewusstsein ist ein Werkzeug mit Limit. Es kann die Gesamtheit nicht erfassen. Es sortiert, bewertet, filtert. Es baut sich seine eigene Version der Realität. Es bevorzugt das, was angenehm ist, färbt ein und blendet aus, was stört. Und es stabilisiert sich selbst, indem es Dinge passend macht.

Und wenn etwas nicht erklärbar ist, dann nennen wir das eben „Zufall“. Ich denke, es gibt immer eine Ursache, nur oft außerhalb unseres aktuellen Verständnisses.


Unser Bewusstsein will Sicherheit. Aber Entwicklung entsteht nicht aus Sicherheit.

 

Was hinter den Dingen liegt

Wahrscheinlich steht hinter all dem, was wir erleben und was unser Bewusstsein nicht direkt wahrnimmt, eine Art Ursprung, ein erster Impuls, so etwas wie ein Zentralgedanke.

Bevor etwas sichtbar wird, als Begegnung, als Situation, als Problem, existiert es bereits auf einer anderen Ebene als Möglichkeit oder Richtung.


Wir sehen immer nur das Ergebnis, aber nicht das, was es ausgelöst hat. Das ist ein bisschen so, als würden wir die Wellen auf dem Wasser sehen, aber nicht den Stein, der hineingeworfen wurde.

 

Warum Entwicklung sich oft nicht gut anfühlt

Funktioniert das Leben nicht so, dass wir immer wieder mit etwas konfrontiert werden, das wir noch nicht kennen oder noch nicht integriert haben und dieses Neue dann mit dem Alten kollidiert? Denn das Alte will meistens bleiben, während das Neue Raum braucht. Genau da entsteht immer Reibung und das fühlt sich dann irgendwie falsch an.


Aber ich bin sicher, dass genau diese Reibung der Moment ist, an dem etwas richtig losgeht.

Weil Wissen nicht durch Lesen, sondern durch Erfahrung entsteht. Immer nach dem gleichen Prinzip: Wir kommen in eine neue Situation, es entsteht ein Konflikt, wir reagieren und lernen (naja, oder eben nicht).


Das Leben bringt uns, meist unfreiwillig und unbequem in Herausforderungen und zwingt uns so lange zur Integration, bis es sich stabil anfühlt. Deshalb fühlt sich Entwicklung oft so scheiße an, weil sie Veränderung verlangt, sich von Altem zu lösen.

 

Ein ewiger Kreislauf: Lernen, stabilisieren, weitergehen

Sobald wir etwas integriert haben, entsteht kurz Ruhe. Ein Gefühl von Ordnung, vielleicht sogar von Zufriedenheit. Aber so bleibt es nicht.


Denn unser Leben ist nicht darauf ausgelegt, uns dauerhaft in Stabilität zu halten. Stabilität ist nur eine Phase, ein Übergang oder ein Rhythmus.


Und dann geht es weiter: Der nächste Schritt, ein neues Thema, ein neues Feld.

Denn es sieht nicht so aus, als wären wir hier, um „anzukommen“, Eher, um uns ständig weiterzuentwickeln -aber nicht mit dem Coaching-Anspruch die Beste-Version-Seiner-Selbst zu werden, sondern auf einem tragfähigen Sich-Selbst-Erkennens.


Das ist das, was viele als „anstrengend“ empfinden. Und gleichzeitig das, was Leben überhaupt erst lebendig macht.

 

Die vier Verbindungen, die dein Leben tragen

Damit unser Leben sich stimmig anfühlt, brauchen wir Verbindung. Denn unser Leben funktioniert nur stabil, wenn wir mit allen vier Ebenen verbunden sind:


Die erste ist die Verbindung zu uns selbst. Die Fähigkeit, uns zu beobachten, uns zu verstehen, uns nicht nur zu fühlen, sondern auch zu erkennen.


Die zweite ist die Verbindung zu unserer Familie und unserer Herkunft. Nicht in blinder Loyalität, sondern in der Bewusstheit, zu wissen, wo wir herkommen und was dadurch noch in uns wirkt, und zwar ohne zu leugnen oder zu urteilen oder zu idealisieren.


Die dritte ist die Verbindung zu anderen Menschen. Teil eines größeren Ganzen zu sein, nicht isoliert zu leben.


Und die vierte ist die Verbindung zur Welt selbst. Etwas beizutragen, nicht nur zu nehmen.


Wenn eine dieser Verbindungen schwächer wird, entsteht Unruhe. Wenn mehrere abbrechen, entsteht Leere. Und wenn alle verloren gehen, verliert das Leben für uns seinen Sinn.

 

 

Was wir „Glück“ nennen

Die meisten Menschen sehen Glück als etwas, das man erreichen muss. Nämlich als Zustand, der irgendwann eintritt, wenn endlich alles passt und perfekt ist. Ich habe noch nie einen Menschen getroffen, der in diesem Zustand war, weil er es durch äußere Umstände „erreicht“ hat.

Glück kann also kein fixer Zustand sein. Schon eher ein Prozess und ein Zusammenfügen dieser vier Prinzipien.


Wenn wir mit uns verbunden sind, mit unserer Herkunft, mit anderen Menschen und mit der Welt, erst dann entsteht etwas, das sich stimmig anfühlt.


Kein Dauerhoch oder so etwas wie Ekstase. Nur ein ruhiges „Ja“. Und das ist für mich näher an echtem Glück als alles, was laut ist. Ein stilles Gefühl von innerer Ordnung.


Ein Zustand, in dem wir nicht alles erklären können, aber merken, dass alles irgendwie passt. Oft vollkommen unspektakulär, aber stabil und das ist unser eigentlicher Kompass.

 

Getrennt oder verbunden?

Wir senden ständig Informationen aus und nehmen ständig welche auf. Wir sind Teil eines permanenten Austauschs. Selbst Dinge, die wir verbergen wollen, wirken nach außen. Durch unser Verhalten, unser Denken und durch unser Sein. Bewusst und unbewusst. Alles, was wir sind, wirkt nach außen und alles, was um uns ist, wirkt auf uns.


Es gibt keine echten Geheimnisse. Nur Dinge, die noch nicht sichtbar sind als unterschiedliche Ebenen von Wahrnehmung.

 

Familie ist kein Zufall

Wir sind nicht nur „du/ich“. Wie sind Teil einer Linie, die eine Geschichte hat. Und was vor uns nicht gelöst wurde, landet oft bei uns. Das bedeutet nicht, dass wir alles übernehmen müssen. Aber wir sollten verstehen, was vor uns war und erkennen, was zu uns gehört und was nicht. Ohne zu idealisieren und ohne zu verurteilen. Denn vieles von dem, was nicht erkannt, akzeptiert und gefügt wurde, setzt sich einfach fort.

 

Der Wendepunkt

Wir können es ignorieren, dagegen arbeiten und uns wehren. Wir können aber auch beginnen, es zu verstehen, indem wir hinschauen, welche Muster sich wiederholen und welche Themen uns einfach nicht loslassen.


Wenn wir dagegen arbeiten, entsteht mehr Widerstand, mehr Druck, mehr Problem.

Wenn wir aber mitgehen, entsteht mehr Klarheit, mehr Entwicklung, mehr Sinn. Und dann kommen die Momente, in denen sich etwas verschiebt.


Das Leben wird dadurch nicht automatisch und dauerhaft leichter, aber viel stimmiger.

Unser Leben passiert nicht zufällig und es passiert nicht gegen uns, auch wenn sich das sehr oft so anfühlt. Das Leben passiert durch uns.


Und je mehr wir bereit sind, das wirklich zu sehen, desto weniger müssen wir kämpfen und desto mehr können wir verstehen, warum alles vielleicht genau so ist, wie es ist.

Dafür brauchen wir weder ein komplettes, universales Verständnis noch eine perfekte Methode, Engelwesen oder spirituelle Führer.


Nur unsere Bereitschaft, hinzuschauen. Und zwar bei uns selbst. Nicht bei den anderen und nicht bei den Umständen, sondern genau da, wo wir gerade sind. Dort, wo unser Leben passiert: Jetzt gerade. Es passiert für uns und durch uns.


Text: Leben passiert uns nicht einfach so von Jeannette Kriesel

 


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Jeannette Kriesel

 

 

 

 
 
 

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