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Scheiß auf den Maskenball!

  • Autorenbild: Jeannette Kriesel
    Jeannette Kriesel
  • 23. Juni 2025
  • 5 Min. Lesezeit

Warum Anpassung dich schützt, bis sie dich einsperrt.


Frau am Strand streckt ihre Arme in den Himmel

"Wer sich ständig für andere verbiegt, bescheißt letztendlich nur sich selbst" Jeannette Kriesel

Wir alle tragen Masken. Nicht für den Karneval, sondern tagtäglich, um irgendwie durchzukommen. Bei manchen ist sie so elegant angepasst, dass man sie sie für ihre Persönlichkeit halten. Bei anderen sitzt sie so fest, dass sie selbst vergessen haben, wer da drunter steckt.


Und warum? Weil wir irgendwann mal gelernt haben: So wie ich bin, ist es nicht genug. Also liefern wir. Funktionieren. Gefallen. Reagieren statt leben.


Wenn du dich öfter fragst, was andere über dich denken, dann hast du genau da dein Problem gefunden. Denn du selbst bist der Mensch, der am meisten darüber nachdenkt, was andere über dich denken, während die anderen gleichzeitig an sich selbst zweifeln und sich fragen, was du über sie denkst. Bekloppt, oder?


Klar, jeder will irgendwie gemocht werden. Die zentrale Frage ist, von welchen Menschen? Und was, wenn der Preis, um von jedem gemocht zu werden, unsere Würde, unsere Freude und unsere echten Bedürfnisse sind? Ich beobachte immer wieder dieselben, völlig absurden Verhaltensweisen, höre die immer gleichen limitierenden Phrasen und erlebe ständig, wie Menschen nicht danach handeln, was sie selbst für gut und richtig halten, gleichzeitig aber von ihren Mitmenschen erwarten. Es ist zum Davonlaufen!


Die Maske schützt ja auch irgendwie den Maskenball

Perfekt sein? Hat dir vielleicht mal das Gefühl gegeben, Kontrolle zu haben. Stark sein? War nötig, als niemand da war, der dich gehalten hat. Witzig sein? Hat Konflikte entschärft, als Klarheit zu gefährlich war. Jede Maske war mal eine Antwort auf ein echtes Bedürfnis. Und sie war klug für den Moment. Wenn du sie nicht irgendwann ablegst, wird aus Schutz ein Käfig.


Aber wir sind alle so aufgewachsen. Wer brav ist, wird gelobt, wer leise ist, wird nicht gestört und wer funktioniert, wird gefeiert. Also lernen wir früh, dass Anpassung schützt und irgendwann nennen wir diese Schutzstrategie dann Charakter. Wir funktionieren, liefern, machen uns passend für Familien, Firmen, Beziehungen.


Irgendwann fragen wir uns dann vielleicht mal „Wer bin ich eigentlich ohne diese Maskerade?“

Denn wenn du dich traust, die Maske abzunehmen, passiert was ganz Wildes: Du wirst wieder sichtbar, für dich selbst. Das fühlt sich erst einmal scheiße an, denn darunter liegt oft eine müde Version deiner selbst. Eine, die irgendwann mal gelernt hat, dass sie nicht genug ist. Nicht stark genug, nicht klug genug, nicht witzig genug, nicht die Mutter, Tochter, Partnerin, Kollegin, die man sich so vorgestellt hat. Also hast du drauflosgelebt, brav angepasst, freundlich lächelnd und immer schön kompromissbereit. Maskenball


Scheiß auf deinen Job, wenn du ihn hasst!

Hör auf, dich zu beschweren und trotzdem in der Tretmühle zu bleiben. Hör damit auf, dich ständig darüber zu beklagen, wie beschissen die Arbeit, der Chef, die Kollegen, die Kunden sind, es aber gleichzeitig allen recht machen zu wollen. Ernsthaft, was soll das?  Ist es die Sicherheit? Die Rente? Die Meinung der anderen? Oder ist es einfach Angst? Dann sag das. Aber hör auf, dir einzureden, es wäre alternativlos.


Scheiß auf Status, wenn er für die anderen ist!

SUV, Altbauwohnung, Designer-Label, alles fein, solange du’s aus Freude kaufst. Aber wenn du dich verschuldest, nur damit der Nachbar denkt, du hättest es geschafft, dann hast du eine ziemlich große Baustelle! Dann bist du nicht frei, sondern ein wandelnder Fake. „Wir kaufen Dinge, die wir nicht brauchen, mit Geld, das wir nicht haben, um Menschen zu beeindrucken, die wir nicht mögen.“, ist dafür das passendste Zitat. Eine irrsinnige Strategie, um innere Leere zu kompensieren.


Scheiß auf später, wenn es jetzt dran ist!

Arbeitest du, weil es dich erfüllt, oder weil Papa dann stolz ist? Liebst du, wen du willst, oder wen andere für dich passend finden? Wenn du dein Warum nicht kennst, wirst du immer auf der Flucht sein. Vor den Erwartungen, vor der Stille, vor dir selbst. Ein echtes Warum ist unbequem, aber es trägt dich, auch wenn keine Sau applaudiert.


Scheiß auf Ja, wenn du Nein meinst! Anpassung

Der Mut zum NEIN ist der Anfang vom JA zu dir selbst. Zu deinen Bedürfnissen. Zu deiner Wahrheit. Zu dem, was dich wirklich ausmacht. Menschen, die sich selbst ernst nehmen, leben anders. Sie kaufen bewusster. Lieben ehrlicher. Diskutieren klarer. Sie sagen Nein, ohne Schuldgefühle. Und weißt du, was dann passiert? Menschen verschwinden. Nämlich die, die sich immer nur dann melden, wenn sie was von dir wollen. Und das ist kein Verlust, das ist Erlösung.


Scheiß auf Instagram, wenn du echte Verbindung willst!

Likes sind keine Wertschätzung oder Liebe. Sie sind billiger Applaus für die Hülle, nicht für das Herz. Und je öfter du dich digital bestätigen lässt, desto leerer wirst du offline. Hör auf, dich für den Algorithmus zu frisieren. Du bist kein Profil, sondern ein Mensch. Und das ist ziemlich geil, wenn du dich traust, wieder du zu sein, ganz ohne Filter, Flitter und Gedöns.


Scheiß auf deinen Verstand, wenn er dich immer wieder ausbremst!

Du wirst es deinem Verstand niemals recht machen können. Klingt er wie ein liebevoller Freund, Oder wie ein mieser Arsch mit Hang zum Dauerdrama? Setz ihn auf die Reservebank und lass ihn herumblubbern. Er wird immer häufiger die Klappe halten. Erzeuge stattdessen förderliche Gedanken. Förderliche Gedanken sind kein trendiges Konzept, sie sind schöpferische Magie. Kein Witz, dein Hirn baut sich um, je nachdem, was du fütterst. Willst du immer noch Mangel und Selbstzweifel? Was du denkst, wird real. Also prüf deinen inneren Monolog.


Scheiß auf den Selbstoptimierungsirrsinn, wenn du dich dafür verbiegen musst!

Du brauchst kein Ashram, kein Aura-Reading, keinen Spirituellen Einheitsbrei, bei dem alle dasselbe bekommen. Du brauchst nur dich und manchmal zehn Minuten Atmen am Tag, in denen du nicht vor dir selbst wegrennst. Wer sich klein denkt, bleibt klein, wer innerlich wächst, zieht Neues an und wer beginnt sich selbst wieder zu spüren, fängt an zu leuchten. Es braucht ein bisschen weniger So-Tun-Als-Ob und ein bisschen mehr radikale Konsequenz. Manche Ideen kosten Mut. Manche Veränderungen kosten Komfort.


So viel „Scheiß drauf“ und doch ist nicht alles egal!

Was dich bewegt, berührt, dich gut fühlen lässt, das nimm und mach mehr davon. Wer immer Everybody’s Darling ist, wird irgendwann Nobody’s Self. Also hör auf, dich ständig für alles zu rechtfertigen. Du bist niemandem eine Show schuldig, nur dir selbst eine ehrliche Antwort. Naja und vielleicht brauchst du noch eine Prise Mut. Lerne wie ein Rookie, liebe wie ein Profi, verzeih wie eine Königin. Und fang an, dir selbst die Hand zu reichen. Vergib dir selbst einfach deinen Mist von früher.

 

Nur fürs Protokoll

Was ich hier schreibe, ist weder neu, noch handelt es sich um besonders erhellende Weisheiten. Aber jeder spürt genau, wovon ich rede. Also warum, zum Teufel, leben so viele Leute weiter wie Statisten in ihrem eigenen Leben? Hast du beim Lesen hier und da genickt? Dann frag dich mal ehrlich: Stimmst du zu, weil du längst so lebst, wie du willst, oder nur, weil du dir vorstellst, wie es sein könnte?


Text von Jeannette Kriesel


Wenn dieser Text nicht ganz spurlos an dir vorbeigezogen ist …

… dann darf er gern weiterziehen. Teil ihn, schick ihn jemandem, der ihn brauchen könnte oder behalt ihn erstmal für dich und tu so, als wärst du ganz zufällig klüger geworden.

 

Mehr freie Texte, klare Gedanken und gelegentliche Zumutungen mit Mehrwert findest du in meinem Telegram-Kanal: https://t.me/jeannettekriesel

 

Und falls du mir dafür symbolisch eine Tasse Kaffee oder ein Glas Wein rüberschieben willst: WHOOHOO!

 

Alternativ: DE39 100 500 006 012 337 742

 

Danke. Wirklich.

Jeannette Kriesel

 
 
 

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