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Kinderwut als Botschaft

  • Autorenbild: Jeannette Kriesel
    Jeannette Kriesel
  • 20. Juni 2025
  • 3 Min. Lesezeit

Kinder rasten so lange aus bis wir hinsehen.


Wütendes Mädchen, das schreit
"Wenn ein Kind wütend ist, dann nicht, weil es gegen dich kämpft, sondern für sich." Jeannette Kriesel

Ich habe zwei Töchter. Die eine ist laut, wild, impulsiv. Die andere, jüngere Maus ist auch impulsiv aber in einem vollkommen anderen Takt. Vor allem aber ist sie eine enorm empathische und eine zarte Seele. Wie passt das zusammen? Und sie war von Anfang an so. Hauptsächlich lebendig, neugierig, witzig und liebevoll. Und manchmal voller Wut. Diese Art Wut, die scheinbar aus dem Nichts kommt. Wegen fünf Minuten, die sie zu spät aufgestanden ist und ihre gesamte Morgenroutine crasht. Wegen einer Socke, die scheiße sitzt. Wegen irgendwas, das nicht so läuft, wie ihr inneres Drehbuch es vorgesehen hat.


Ich war überfordert. Völlig. Ich habe beschwichtigt, geredet, diskutiert. Und nichts davon hat funktioniert. Bis ich irgendwann verstanden habe, dass das nicht nur ihre Wut ist, sondern auch meine. Beschwichtigungen bringen da null. Was sie braucht? Raum und Begleitung. Kein Fix-it-Modus. Kein "Jetzt beruhig dich doch mal!". Sondern: "Ich sehe dich. Und ich bleibe bei dir."

Und genau darum geht’s hier. Um kindliche Aggression, um Wut und das dieses verpönte Gefühl, das wir Erwachsenen so schlecht aushalten können, vor allem dann nicht, wenn es aus unseren Kindern kommt.


Wut ist ein Ausdruck.

Wenn Kinder schlagen, beißen, treten oder schreien, dann liegt nicht das Problem im Kind. Sondern in dem, was es auszudrücken versucht. Es fehlen die Worte, die Mittel, der Rahmen. Und wir? Wir reagieren mit Strafe oder Scham, weil wir Angst haben, was die anderen denken oder weil wir selbst nie lernen durften, mit Wut umzugehen. Dabei sind Aggressionen oft Versuche, Kontakt aufzunehmen. Ein Kommunikationsversuch mit großen Buchstaben: "Ich brauch was! Aufmerksamkeit, Sicherheit oder einfach: Geh mir aus dem Weg!"

Kinderwut

Und wir? Wir kommen um die Ecke mit Sprüchen wie: "Reiß dich zusammen!" "Jetzt reicht's aber." "Du bist doch kein Baby mehr." Mit solchen Sätzen sagen wir Kindern: Deine Wut ist falsch und du bist nicht okay, wenn du sie zeigst. Das brennt sich ein. Und irgendwann glauben sie, dass sie zu viel, zu laut, zu anstrengend sind. Dabei ist Wut wichtig, denn sie markiert Grenzen und zeigt, was uns wichtig ist. Kinderwut


Kinder brauchen Resonanz.

Wenn mein Kind heute wütend ist, dann bleibe ich und rede nicht klein oder erkläre weg. Ich bleibe einfach. Und wenn sie will, nehme ich sie in den Arm. Sie darf wütend sein, und ich habe gelernt es damit umzugehen.


Und das Verrückte daran ist, dass ihre Wutanfälle seltener, kürzer und weniger intensiv werden. Weil sie es schafft, sich hin und wieder selbst zu regulieren. Weil sie spürt, dass ihre Gefühle richtig und nicht gefährlich oder unerwünscht sind. Und natürlich ertappe ich mich manchmal immer noch bei dem Gedanken „Was ist denn jetzt schon wieder?“ Und das erlaube ich mir auch. Und dann braucht es einen kurzen Moment, damit ich den Raum für sie halten kann. Aber ich bin da.


Es geht also nicht darum, Aggression zu verbieten, sondern mit ihr umzugehen, zu verstehen und Teil unserer emotionalen Landschaft zu begreifen. Auch wir Eltern sind manchmal wütend und dürfen das auch sein. Wichtig ist nur, wie wir damit umgehen. Und ob wir bereit sind, unseren Kindern zu zeigen, dass Wut so wahnsinnig kraftvoll sein kann und auch einfach dazugehört.


Text von Jeannette Kriesel


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Jeannette Kriesel


 
 
 

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